Die hier beschriebene Bastelarbeit ist beendet! Seit Februar '05 läuft das El mit 36 Zellen des Typs "Saft VHP 430 KH-3".
(Die allgemeinen Angaben über das Ladeverhalten und die angewendeten Methoden gelten natürlich prinzipiell auch für die größeren Zellen.)
Im
Herbst ´01 kam mein Kapazitzätsmesser plötzlich nicht mehr
auf "12 Punkte". Kurz danach brach auch noch die Motorwelle und beim dadurch
nötigen Ausbau der Batterien (3 St. "Varta FPG 12100 12V/100AH/K5
VHB POWERBLOC 400 FPG") stellte ich fest, daß der Batterieraum
völlig mit "übergekochter" Säure verschmiert war. Nach längerem
Experimentieren kam ich dann zu dem Schluß, daß in zwei der
drei Batterien je eine Zelle kurzgeschlossen war.
Die "Todesursache" blieb unklar.
Eine Möglichkeit ist, daß der Temperaturfühler defekt ist
und das Ladegerät beim Einbau der Varta-Akkus nicht an deren Ladekennlinie
angepaßt wurde. Meine persönliche Erfahrung mit Staplerbatterien
ist aber, daß Bleibatterien keine Erschütterungen vertragen.
Die Bleiakkus wurden entsorgt.
Für mich steht seither fest, daß ich keine offenen, säurehaltigen
Batterien mehr haben will !
Ich bekam nach einigen Fehlversuchen preisgünstig
gebrauchte NiCd-Einzelzellen "Varta VS 309 X2" angeboten.
Die Zellen haben 16AH (bei unbekannter Entladedauer)
und wiegen ca. 1,21 kg/St. Die Maße: 84,5mm lang, 45,5mm breit und
199,5mm hoch. Als Anschlüsse haben sie Gewindebolzen M10. Genauere
Daten habe ich leider nicht.
Diese offfenen Zellen (das ist bei NiCd
entscheidend!) stammen aus einem "Flurförderzeug" (=Transportwägelchen)
und sind hochstrom- und schnelladefähig. Sie haben deshalb einen großen
Elektrolytüberschuß und sind daher leider ziemlich schwer.
Man kann davon 72 Zellen im El unterbringen.
Bei zwei Strängen á 35 St. ergibt sich eine Batterie mit 42 Volt Nennspannung, 32 AH Kapazität und knapp 85 kg Gewicht. (Die drei originalen 90Ah-Yuasa Batterien wogen zusammen 93kg.)
32 AH sind sicherlich im Vergleich
zu den 100AH der dahingeschiedenen Bleibatterie ein Rückschritt !
Mit den 100AH kam das El
im Sommer gut 30km weit. Da NiCd-Batterien aber im Gegensatz zu Bleiakkus
problemlos eine vollständige Entladung vertragen, und der Unterschied
bei Kälte sich sogar ins Gegenteil ändern kann, beschloß
ich, trotzdem einen Versuch zu machen. Dabei ging ich für 36 Volt
von einer geschätzten Reichweite von etwa 2/3 der Bleibatterien aus.
Ich hoffte, daß die 10 zusätzliche Zellen bei einem Umbau auf
42Volt die Reichweite auf knapp 25 km erhöhen würden, was für
meinen täglichen Bedarf gerade ausreicht.
Für mich war entscheidend,
daß
offene NC-Batterien eine extrem hohe Lebensdauer haben.
Sie sind unter Normalbedingungen von geradezu legendärer "Unkaputtbarkeit".
Man kann deshalb gebrauchte Zellen kaufen, die von Großbetrieben
"sicherheitshalber" ausgesondert werden, aber bei korrekter Behandlung
trotzdem noch viele Jahre ihren Dienst tun.
| Die Anordnung:
Zunächst habe ich eine Methode ausgeknobelt, die Zellen überhaupt unterzubringen: Der Batteriekorb faßt leider nur 44 Stück, deshalb mußte der komplette Gepäckraum neben dem Trafokasten herhalten. Die nebenstehende Skizze zeigt die Anordnung. Unter die Zellen im Batteriekorb habe ich Reste von Kunststoffplatten gelegt, die ich zufällig hatte. Die vorderen Zellen links und rechts mußten zur Mitte versetzt werden, weil sie sonst an den Befestigungsschrauben des Batteriekorbs anschlagen. Dadurch reicht der Platz in der Länge nicht aus, so daß die letzten Zellen hinten über den Batteriekorb ragen und beim Einfedern an der Achse schleifen würden. Die beiden getrennten Batteriestränge sind
hellgrün und gelb gekennzeichnet. Die grünen Linien stellen die
Polverbinder dar.
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Inzwischen (2005) hat die Erfahrung gezeigt, daß es besser ist, keine Batterien im Kofferraum unterzubringen.
Die Nachteile sind unter anderem:
Im ersten Schritt wurde (wegen des Ladegeräts)
zunächst ein Test mit nur 60 Zellen (36 Volt) gemacht. Bei voller
Batterie und flotter Fahrt (Tacho auf Vollanschlag) kam ich dabei 21km
weit.
Danach wurden beim normalen Ladevorgang die
Batterien nicht voll!
Die -zufällig entdeckte- Abhilfe bestand
darin, die Batterien abzuklemmen und zu warten bis die Bordnetzspannung
auf 0V abgesunken war (Kondensatoren entladen). Danach wurde die Batterie
(bei 10°C) auf über 46V (1,53V/Zelle) aufgeladen.
Im einem weiteren Versuch brachten dann 70 Zellen bei 42 Volt in etwa die erhoffte Reichweite von 24km.
(Übrigens: Solange die Batteriespannung direkt nach dem Laden noch über 49,3Volt beträgt fährt das El nicht. Abhilfe: Heizung einschalten, losfahren und Heizung sofort wieder ausmachen.)
Die Batterie hatte sich also soweit prinzipiell bewährt, und ich habe daraufhin die Zellen gekauft.
Die Anschlüsse:
Für die drei Verbindungen (siehe Skizze)
zwischen Motor- und Kofferraum habe ich Massebänder aus dem Kfz-Bereich
verwendet. Diese haben 14mm2 Querschnitt.
Ich habe jeweils zwei übereinandergelegt (=28mm2)
und Schrumpfschlauch als Isolierung darübergezogen. Für den Minus-Anschluß
an der Motorsteuerung habe ich einen Adapter von M6 auf M10 Gewinde aus
Messing gedreht.
Durch die flachen Kabel konnte ich die Motorraumabdeckung
wieder draufschrauben.
Leider waren dies Massebänder nicht vernickelt. Die Kalilauge kroch in die Litzen und Isolierschläuche, so daß das Kupfer sich langsam in blaues Salz verwandelte!
Die Befestigung:
Die Batterie muß noch isoliert und so im
Fahrzeug befestigt werden, daß sie sich auch bei einem Unfall nicht
lösen und durch Kurzschluß schwere Verbrennungen an Mensch &
Maschine verursachen kann. Vor allem bei den 26 Zellen im Kofferraum ist
das wichtig. Ich will ja vielleicht auch mal einen Metallgegenstand transportieren....
Trotz großer Vorsicht hat es übrigens bei den "Bauarbeiten" zweimal heftig geknallt. Dabei kann man direkt spüren was "hochstromfähig" bedeutet. Später hatte ich mir dann eine "Kofferraumabdeckung" aus grauen PVC-Schaumplatten ("guttagliss hobbycolor" aus dem Baumarkt) gebastelt. Die war allerdings sehr unpraktisch beim An- und abklemmen. Eine Kühlung der zellen erwies sich als unnötig weil keine kritischen Temperaturen erreicht wurden.
Der "Strom-Füllstand":
Durch den Umbau (verminderte
Kapazität und erhöhte Spannung) zeigt der Kapazitätsmesser
nur noch Unfug. So ist die Batterie schon leer, obwohl noch "halb voll"
angezeigt wird!
Als "Kapamesser-Ersatz"
habe ich deshalb ein selbstgebasteltes, umschaltbares "Panelmeter" für
Batteriespannung, Fahr- und Ladestrom an der Diagnosebuchse angeschlossen.
Damit kann ich z.B. während der Fahrt den Ladezustand der Batterie
beurteilen.
Grob gesagt weiß ich,
daß die Batteriekapazität unterhalb einer Leerlaufspannung von
41,5Volt (1,19V/Zelle) weitgehend erschöpft ist.
Zur Kontrolle:
Vom Gas gehen und schauen wie hoch die Spannung unmittelbar ansteigt. (Man
kriegt das in der Praxis schneller raus als ich hier eine exakte Beschreibung
abgeben kann.)
Vollgeladen
muß eine Leerlaufspannung von > 46,5Volt (1,38V/Zelle) angezeigt
werden. Daß die Batterie wirklich voll ist, weiß man allerdings
nur, wenn man beobachtet hat, daß beim Laden die benötigte Endspannung
nach der unten gezeigten Kurve erreicht wurde!
(Das Standardladegerät
schaltet irgendwann ab, und danach sinkt die Spannung auf den Leerlaufwert!)
Als nächstes mußte ein Weg gefunden
werden, die Zellen im Alltagsbetrieb auf volle Kapazität aufzuladen
ohne sie dabei zu beschädigen oder unnötig Wasser zu zersetzen.
Alle benötigten Informationen über NC-Zellen habe ich einem alten
Buch:
"Nickel-Cadmium Akkumulatoren - Anwendungstechnisches
Handbuch" der Fa. General Electric entnommen.
Das Buch stammt zwar von 1975, aber es enthält leicht verständliche, umfassende technische Informationen. Die Physik ist hoffentlich in den letzten 27 Jahren gleich geblieben.
In diesem Buch fanden sich u.a. die beiden folgenden Diagramme:

Da der Spannungsanstieg im Bereich der Volladung ("100%") bei offenen Zellen wie man sieht sehr ausgeprägt ist, kann man den Punkt der Volladung sehr einfach feststellen. (Es bietet sich eigentlich als einfachste Methode das Laden mit Konstantspannung an.) Überladung ist obendrein unschädlich, solange die Batterietemperatur unter ca. 50° C bleibt. Der entstehende Wasserverlust kann -wenn auch bei 70 Zellen recht mühsam- wegen der offenen Bauweise problemlos ersetzt werden.
Aus dem folgenden Diagramm kann man entnehmen, welche Ladeendspannungen in Abhängigkeit von der Batterietemperatur erreicht werden müssen, damit die Batterie "vollgeladen" wird. (Die Werte stammen ebenfalls aus dem General Electric-Buch. Das Diagramm wurde nur für 35 Zellen in Reihe angepaßt.)
Hier sind -historisch begründet und nur der Vollständigkeit halber- meine frustrierenden Experimente mit der undokumentierten dänischen Analogelektronik beschrieben.
Im Juli ´02 nach einem
halben Jahr Alltagsbetrieb, der allerdings wieder mal durch einen Defekt
(DC/DC-Wandler abgeraucht) unterbrochen war, sank die erzielbare Reichweite
dramatisch ab. Zum Schluß kam ich noch ca. 10km weit. Sobald die
Batteriespannung beim Loslassen des Fahrpedals nicht mehr unmittelbar über
43V stieg, waren nur noch einige 100m drin.
Ich tippte auf Memory-Effekt,
da meine Laderei wegen der ständigen Experimente nicht gerade optimal
gewesen war. In meinem schlauen Buch von General Electric fand ich, daß
man die Batterie regelmäßig "auffrischen" muß.
Der Vorgang ist folgender:
Zu diesem
Zweck habe ich mir 70 Kurzschlußbügel aus dickem Kupferdraht
über eine Holzform gebogen. Das hat einige Stunden gedauert und hinterher
haben mir die Finger wehgetan. Mich würde auch interessieren, wie
das Kurzschließen bei kompletten Batterien, bei denen man nicht an
die Einzelpole herankommt, funktionieren soll. Wenn man nämlich nicht
einzeln kurzschließt, polen die "schwachen" Zellen um, weil
sie von den stärkeren "rückwärts" aufgeladen werden!
Ich
habe eine alte Zahnbürste genommen. Vor allem an den negativen Polen
waren weiße Ausblühungen vorhanden und die Gewinde mußten
teilweise sogar durch Nachschneiden saubergekratzt werden. Die Polverbindungen
bestehen aus vernickeltem Kupfer. Wenn die Nickelschicht verletzt wird,
gibt es dicke grüne Salzkrusten.
Den Spezial-
Drehmomentschlüssel habe ich durch Fingerspitzengefühl ersetzt.
Wichtig
ist, daß keine Kraft (Moment) über den Gewindebolzen auf die
Innereien gelangt!
Das
sind in meinem Fall für einen Batteriestrang 1,6A. Ich habe zwei alte
30V-Labornetzteile von Conrad (noch aus DDR-Produktion) hintereinandergeschaltet
um die Spannung zusammenzukriegen.
Nach 5 Minuten die Zellenspannungen kontrollieren. Bei Zellen die dabei mehr als 1,5V aufweisen Wasser bis zur Minimalmarke aufüllen. Nach 10 Minuten muß die Zellspannung zwischen 1,2V und 1,55V liegen. (Ansonsten ist die jeweilige Zelle hin.)
Mit dem
Auffüllen muß man vorsichtig sein! Ein großer Teil des
gegen Ladeende entstehenden Gases bleibt als Blasen zwischen den Platten
hängen, wodurch der Flüssigkeitsstand stark ansteigt. Der Elektrolytstand
scheint beim Laden auch so zu steigen. (warum???).
Man muß
also nach Ladeende vor dem Auffüllen etwas abwarten und an den Zellen
wackeln, damit der Kram sich setzt.
So verrückt
das vielleicht klingen mag, aber mit der Zeit kriegt man "ein Gefühl"
für die Batterie.
Ich kann
durch Beobachtung meines Voltmeters (das wichtigste Instrument im El, aber
leider nicht serienmäßig) ganz gut abschätzen, wie weit
ich noch komme und auch, wann ich den "Stromeimer" wieder mal restlos leermachen
muß. Da ich zwei komplette 16AH Batterien habe, kann ich sie auch
einzeln anklemmen. Wenn ich dann mit der einen Batterie irgendwo hingefahren
bin, komme ich mit der anderen zuverlässig wieder zurück. Ich
kann z.B. auch mit der einen Batterie fahren, wärend die andere gerade
tiefentladen wird, um den Memory-Effekt abzubauen.
Nach meinen
bisherigen Erfahrungen glaube ich nicht, daß NC-Batterien für
den "allgemeinen Gebrauch" geeignet sind, da selbst bei niedrigeren Kaufpreisen
der Serviceaufwand immer noch zu hoch und deshalb unbezahlbar ist. (Ich
habe für den ersten Service mit dem Zurechtbiegen der Kurzschlußbügel
das ganze Wochenende gebraucht.)
NCs sind
eher für Leute geeignet, die gerne experimentieren und Freude daran
haben, die ungewöhnliche Technik kennenzulernen und sie eigenverantwortlich
in den Griff zu kriegen.
Man muß
sich (ähnlich wie beim Fahren) so etwas wie eine "vorausschauende
Betriebsstrategie" zurechtbasteln. Einerseits macht es einer NC-Zelle nichts
aus, leer herumzustehen, andererseits verliert sie die Ladung relativ schnell
(angeblich ca. 1%/Tag) und quittiert Dauerladung mit dem berüchtigten
Memory-Effekt. (Deshalb ist die Dauerladerei der Bleifahrer total verfehlt!)
Ich habe
mir also eine Wochen-Zeitschaltuhr vor den Trafo geschaltet. Geladen wird
nur noch, wenn auch Betrieb zu erwarten ist.
Im Alltag
(2 mal ca. 10km pro Tag) fahre ich jetzt die beiden Batterien wechselweise
total leer und klemme dann um. So hoffe ich, die zeitraubenden Auffrischungen
auf ein Minimum zu beschränken.
Übertemperaturen, die als einziger Faktor einen vorzeitigen Batterietod bewirken könnten, treten bisher nicht auf.
© Ulrich Reeg Stand: 7.3.06 Kontakt (zur Spamvermeidung) über den geschlossenen Nutzerbereich von Ralf Wagners "Elweb".