Ein Projekt mit umgebauten PC-Netzteilen habe ich wieder eingestellt. Es ist mir nämlich nie gelungen auch nur zwei gleiche Geräte zu finden. Daher wären vier bis fünf "Forschungsaufträge" nötig gewesen, um die jeweiligen Schaltungen und nötigen Umbauten der "Einzelstücke" zum Erreichen von ca. 60V zu ermitteln.
Hilfe kam schließlich von zwei Kumpels:
Yogi (Batterie-Service-Techniker) fand im Schrott
einen abgerauchten Zivan NG3, 80V/27A und Bernhard erlärte sich bereit
die nötige elektronische Forschungs- & Entwicklungsarbeit zu leisten.
Dabei sollte nur die Funktion des eigentlichen Schaltnetzteils wiederhergestellt
und eine einfache Einstellmöglichkeit für Spannung und Stromstärke
geschaffen werden.
Die Kennliniensteuerung war uninteressant, da
sie für 42V NC-Akkus sowieso nicht paßt.
Für meine Zwecke wäre natürlich ein NG3 mit 60V/35A richtig gewesen, aber der lag halt gerade nicht im Schrott. 27A sind aber auch schon ganz nett!
Noch ein Hinweis: Alle Bilder sind
in voller Größe abgespeichert, man kann sie groß anzeigen
lassen um Details zu erkennen!
Bild4,
vorher
Bild5,
ausgelötet
Diese Steuerplatine wurde ausgelötet und mit einer 20-poligen Pfostenleiste steckbar gemacht, so daß man mittels einer dazwischengesteckten "Verlängerung" an beide Platinenseiten herankommen kann, um zu messen.
Das war eine ekelhafte und langwierige Fummelei
die ich aber selbstmachen konnte.
Auf der Steuerplatine befindet sich ein "Pulsweitenmodulator",
das IC UC3525BN,
(Bild5, untere Reihe, 2. v.l., Datenblatt unter http://www-s.ti.com/sc/ds/uc3525b.pdf
) das über einen Ansteuertrafo an den Pins 13 & 14 die Leistungstransistoren
auf der Primärseite des Haupttrafos taktet. An Pin 12 und 15 liegt
über zwei 330kOhm Widerstände (R20 und 21) auf der Hauptplatine
die Ausgangsspannung an. Die Pins 17 & 18 bekommen über einen
Trafo eine dem Ausgangsstrom proportionale Spannung von ~0,1V pro A.
Über die Pins 7 & 8 liegt die Hilfsspannung
von ca. 12V an. Damit wird auch über Pin 5 das Startrelais (siehe
Bild2,
l.u. und Bild3) betätigt.
Die Pins 1 & 2 liegen auf Masse.
(siehe auch Umbau-Schaltplan,
Bild8)
(Auf der Steuerplatine sitzt übrigens auch
die nicht erforschte Ladekennliniensteuerung.)
Bild1,
Elko geöffnet
Das 12V Hilfsnetzteil war teilweise abgeraucht.
Bild
2, 12V Hilfsnetzteil auf Hauptplatine
Zwei NTCs am Startrelais waren beschädigt, der vordere zerbrochen, der hintere abgeraucht. (Die Teile dienen zur Begrenzung des Einschalt-Stromstoßes bei leeren Elkos.)
Bild
3, Startrelais, defekte NTCs
Die eingetrockneten Elkos (ELNA LP5, 350V / 560uF
D=35mm, H=43mm) wurden gegen 5St. Epcos B43504-A9477-M, 470uF/400V
ausgetauscht. Dieser Typ paßt mechanisch. Hinweis der Spezialisten:
"Wichtig ist, das die C's eine hohen Ripple-Strom können (2-3A) sonst
werden sie warm und versagen!"
Aus der NG3-Hauptplatine wurden folgende Teile aus dem Bereich des abgerauchten 12V-Hilfsnetzteils ausgelötet:
D21 = ? (Schutzdiode?), ?/V28-200
(Logo) 004
C30 = Elko 470 mikroF/25V (Elna)
Trafo N14451 ? Nordelettronica
R27 = 47Ohm
R28 = 47Ohm
D22 = BZX-85 C-13-926
"T15" = Widerstand 1Ohm (1/2W ?)
C31 = Elko 100mikroF 25V (Elna)
CN15 = 2 Stifte
dahinter:
C29 = "I04" (?)
Q6= IC: 4N35-000ATK63
C28 = "I04" (?)
C26 = AV.1K 400 (?)
C25 = Elko 10mikroF / 400V
D15 = Glas, winzig, weggeplatzt
D16 = Motorola MUR|180E|007
D17 = Motorola MUR|180E|946
D18 = Glas, winzig, "GD"
D19 = Glas, winzig, "ZPD 0,2"
D20 = LT941 / 1N5819
| Die Bauteile des abgerauchten 12V-Schaltnetzteils
wurden entfernt, da nicht sichergestellt ist, daß die Platine im
verbrannten Bereich noch einwandfrei isoliert. Die 12V-Hilfsspannung muß
deshalb extern zugeführt werden.
Zum Einbau eines neuen 12V-Hilfsnetzteils steht ein 55mm hoher Bereich mit den in der nebenstehenden Skizze gezeigten Abmessungen zur Verfügung. Als Ersatz wurde ein Stecker-Schaltnetzteil "Egston NVEFS 53151", mit folgenden Daten verwendet: In: 230V~ 50Hz 100mA, Out: 3-12V= 800mA
(gibt's bei Conrad) |
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Die NTCs gabs bei:
Bürklin OHG, Elektronik
Schillerstr. 41
80336 München
Telnr : (089) 55875-0, Verkauf
(0 89) 5 58 75-1 10, Fax: (089) 55875-421
Epcos NTC B57364-S121-M , Bestell-Nr. bei Bürklin: 80 E 6712
Leider verkauft Bürklin nicht an Privatpersonen,
man muß sich jemand suchen der eine Firma hat!
Dabei wurde die Verbindungen von
Pin 1 ("INV" > Uout
über Spannungsteiler)
Pin 2 ("NI" > Referenzspannung über
Poti) und
Pin 9 ("COMP")
zur Steuerplatine unterbrochen !!
Bild6
Bild7, Beschaltung UC3525BN
Bild
8, Schaltplan
Das untere, gestrichelt umrandete Feld zeigt den
Schaltplan der neuen "Huckepack"-Platine (Bild6),
die in den Sockel des Pulsweitenmodulators UC3525BN gesteckt ist.
Durch das Abklemmen der Pins 1,2 & 9 des Pulsweitenmodulators von der Kennliniensteuerung ist die Strom und Spannungsregelung sowie alle Kontrollfunktionen des NG3 lahmgelegt. Stattdessen können -wie bei einem Labornetzteil- an zwei Potis durch eingestellte Referenzspannungen Spannung und Strom des NG3 begrenzt werden.
Nach einem Hinweis in den handschriftlichen Notizen der Umbauer beträgt die Spannung am Ausgang der Stromkontrolle ca. 0,1V/A
Die NG3-Originalfunktionen wie Ladekennlinien-Steuerung,
Batterieerkennung, Temperaturkontrolle u.s.w. sollten wiederhergestellt
sein, wenn das IC UC3525BN wieder direkt in die Fassung gesteckt und der
Umbau damit rückgängig gemacht wird.
Um das zu testen bräuchte man allerdings
eine 80V-Bleibatterie!
| 1. Messung: Umax auf 55,5 V eingestellt | 2. Messung: Spannung bei 1,43 Ohm auf 36V reduziert | |||||||||
| Widerstände | R | R gem. | Ugem. | I gem. | LED | Bemerkungen | Ugem. | I gem. | LED | Bemerkungen |
| 7 parallel | 1,43 Ohm | 1,50 Ohm | 40,6 V | 27,00 A | rot | maximale Strombelastung erreicht! | 36,0 V | 23,20 A | rot | 12V-Netzteil zieht 0,58A |
| 6 parallel | 1,67 Ohm | 1,70 Ohm | 43,1 V | 23,70 A | rot | 38,0 V | 21,00 A | rot | ||
| 5 parallel | 2,00 Ohm | 2,10 Ohm | 46,0 V | 22,00 A | rot | 40,7 V | 18,70 A | rot | ||
| 4 parallel | 2,50 Ohm | 2,50 Ohm | 49,0 V | 18,40 A | rot | 44,5 V | 16,20 A | rot | ||
| 3 parallel | 3,33 Ohm | 51,0 V | 14,30 A | rot | 48,9 V | 12,90 A | rot | |||
| 2 parallel, 2 in Serie dazu parallel | 4,00 Ohm | 4,10 Ohm | 51,8 V | 12,00 A | gelb | Strombegrenzung ist angeblich auf 10A eingestellt. Falsch!!! | ||||
| 2 parallel | 5,00 Ohm | 5,10 Ohm | 52,8 V | 9,40 A | gelb | 51,4 V | 8,90 A | gelb | 12V-Netzteil zieht 0,44A | |
| 3 s + 3 s | 6,67 Ohm | gelb | Messung nötig w.g. Knick in Kurve | |||||||
| 3S+2S | 8,33 Ohm | 8,40 Ohm | 55,3 V | 6,20 A | gelb | |||||
| 2S+2S | 10,00 Ohm | 10,20 Ohm | 55,3 V | 4,70 A | gelb | 55,3 V | 4,70 A | gelb | Werte gleich wie bei 1. Meßreihe | |
| 4P+1 | 12,50 Ohm | 12,60 Ohm | 55,4 V | 4,00 A | grün | |||||
| 3P+1 | 13,33 Ohm | 13,50 Ohm | 55,3 V | 3,50 A | grün | |||||
| 2P+1 | 15,00 Ohm | 15,10 Ohm | 55,3 V | 3,00 A | grün | 55,4 V | 2,90 A | grün | ||
| 2 in Serie | 20,00 Ohm | 20,10 Ohm | 55,4 V | 2,20 A | grün | |||||
| 3 in Serie | 30,00 Ohm | grün | ||||||||
| 4 in Serie | 40,00 Ohm | grün | ||||||||
| 5 in Serie | 50,00 Ohm | 55,5 V | 0,90 A | grün | Strommessung ungenau w.g. Zangenamperemeter (200A) | |||||
Bei den Messungen war folgendes zu beobachten
1.) Die an der Steuerplatine des
NG3 vorhandene Leuchtdiode wechselt mit der Spannung die Farbe.
Beim Original-NG3 bedeuten die
Farben laut Handbuch:
rot= Beginn der Ladung
gelb= Batterie zu 80% geladen
grün= Batterie zu 100% geladen
2.) Die Lüfter für die
Leistungshalbleiter schalten mit dem Farbübergang von rot nach gelb
die Drehzahl herunter. Sie werden vom 12V-Hilfsnetzteil versorgt, das bei
maximaler
Belastung 0,6A liefern muß. Das verwendete Egston-Netzteil schafft
das.
(Natürlich wurde das Hilfsnetzteil
nach der Inbetriebnahme ausgesucht. Bei den ersten Tests mußte ein
Labornetzteil herhalten.)
Das Ganze ergibt folgende Ladekurven:
Die blaue Kurve zeigt die erste
Meßreihe, bei der orangen Kurve wurde der Strom am Poti "Imax" (siehe
Schaltplan) reduziert, da mit der ursprünglichen Einstellung unterhalb
von 1,43Ohm Lastwiderstand der Maximalstrom (27A) des Zivan NG3 überschritten
wurde.
Dabei muß
man sehr vorsichtig sein, sonst fängt der Trafo an kreischende Geräusche
von sich zu geben.
Wie aus den beiden Kurven zu sehen ist, verändert die Einstellung des Potis "Imax" die Steigung der Kurve bevor bei 55,5V die Spannungsbegrenzung einsetzt. Besser wäre es, wenn nur der Maximalstrom auf 27A begrenzt würde, aber meine Elektronik-Kenntnisse reichen nicht aus um sowas zu verwirklichen.
Hier zeigt sich wieder mal wie wichtig ein Voltmeter im El ist: Wenn man fährt bis "garnichts mehr geht", d. h. daß die Batterie völlig leer ist, muß man mit dem Ladebeginn eine Weile warten, bis sich die Spannung wieder auf diese 43V "erholt" hat, sonst gefährdet man das Ladegerät!
Schwieriger ist die "richtige" Einstellung von
"Umax". Geht man zu hoch wird die Elektronik
des El gefährdet falls man den NG3 mal aus Schusseligkeit mit abgeklemmter
Batterie einschaltet (schon getestet, zum Glück nix passiert).
Im Zusammenspiel mit meinem "Abschaltkästchen"
(schaltet bei einstellbarer Spannung die Netzversorgung ab) wird außerdem
die Batterie nicht richtig voll, weil zu schnell die Abschaltspannung
ereicht wird und deshalb keine Ausgleichsladung für die schwächeren
Zellen stattfindet. Zu niedrige Einstellung hat den gleichen Effekt, weil
die nötige Ladeendspannung der Zellen nicht erreicht wird.
Hier habe ich einfach so nachjustiert,
daß der Ladestrom bei voller Batterie einen halbwegs brauchbaren Wert annahm.
Die elektrische Verbindung erfolgte mit dem passenden "Anderson"-Stecker am NG3 zu den Anschlüssen des alten Eltrans-Laders unter dem Sitz. So ist es möglich, die im El vorhandenen Shunts zur Ladestrommessung zu verwenden.
Alle Teile des Original-Laders und der sinnlose Kapazitätsmesser (~11kg) wurden ausgebaut.
©Ulrich Reeg, Stand: 7.3.06
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