| Im August 2002 bekam ich dann für ein Trinkgeld 92
verschrottete 43Ah-Zellen aus Anlasserbatterien für Verkehrsflugzeuge:
Typ: Saft VHP 430 KH-3, (43AH/1h) Höhe: 236mm Breite: 78,5mm Dicke: 35mm (im Neuzustand) Gewicht: 1,45kg/St. Polanschlüsse: Feingewinde M10*1,25 (Genaue Daten: Service
Manual von Saft als PDF)
"Die schaffen blos den Test nicht mehr, in Afrika täten sie damit noch fliegen" hatte der freundliche Chef der Batteriefirma mir gesagt. Als ich meine Beute so betrachtete kamen mir aber Zweifel: verformt und zum großen Teil als "Trockenbatterien" stellten sich die -laut Aufdruck- zur Hälfte von 1992 (2002 also schon "guaranteed 10 years old") stammenden Zellen beim Sortieren dar. Finanziell war die Sache ja kein Risiko und ich begann deshalb die Dinger "nach Alter und Dicke" zu Batterien zusammenzustellen. In Batterie "A" (links) kamen Zellen von '98 & '99, "B" (rechts) wurde mit "dünnen" älteren Zellen komplettiert. Die Blöcke "C" (vorn) und "D" (Mitte) wurden als Reserve aus den Resten zusammengestellt. |
Bild 1: gebrauchte, verformte Zelle |
In einen Original-Batteriekasten des El passen 18 Zellen. Das ergibt bei zwei Blöcken eine Batterie mit 36 Zellen und 43,2V Nennspannung. Die Anordnung sieht so aus:
Bild 2: Anordnung im El (braun: Zellen, rot: Pluspole, blau: Minuspole,
grau: Verbinder, lila: Kunststoff-Druckplatten)
Mit den Zellen alleine kann man noch nichts anfangen. Da sie einen gasdichten
Verschluß (mit Überdruckventil) haben, baut sich durch das Gasen
beim Aufladen Druck auf, und sie müssen deshalb unbedingt "eingezwängt"
werden. Ansonsten "gehen sie auf wie Hefeklöße". Laut Aussage
der Flugzeug-Leute gehen die Zellen auch kaputt wenn sie sich aufblähen.
Fast alle gebrauchten Zellen die man bekommt, sind bereits durch den
Betrieb verformt (siehe Bild 1, Spalt am Schenkel
der Schieblehre). Meine variieren in der Dicke zwischen 35,4 und
39,4mm/St.. Schon deshalb ist es nicht sinnvoll die Zellen in starre Kästen
(wie im Flugzeug) zu stecken.
Weitere Nachteile sind:
1.) Man kann den Elektrolytstand und die "Polverknasterung" nicht sehen
(und in Ordnung bringen!) ohne den Kasten aufzumachen.
2.) Kästen sind schwer und teuer.
3.) Die Wärmeableitung ist schlechter.
Bild 3: Batteriepack "A" |
Ich habe mich deshalb entschlossen, die beiden 9er-Zellenstapel
meiner 18-Zellen-Batteriepacks mit jeweils zwei 0,5mm starken und 14mm breiten VA-Blechbändern, (im Prinzip großen Schlauchschellen) zusammenzuspannen. Damit können
auch schon verformte Zellen zusammengepreßt werden.
Als Lastverteilung und zum Ausgleich von Längenunterschieden habe ich biegesteife Kunststoffplatten (High-Tech- Carbon-Wabenkram aus der Mülltonne vom Rennfuzzi um die Ecke) untergelegt. Unten ist noch eine U-förmige Blechwanne drunter, die die Zellen seitlich ausrichtet und zusammenhält. Meine Schellen sind "Marke Eigenbau", aber Gerüchten zufolge gibt es sowas auch (z.B. bei Lüftungsbauern) zu kaufen. Polverbinder und Feingewindemuttern (Kupfer, vernickelt) kann man zwar theoretisch als Flugzeugersatzteile kaufen, aber das ist wegen der Luftfahrtzulassung und Qualitätsüberwachung unbezahlbar (>3,-€/Mutter!). Passende Polverbinder und vernickelte Wellscheiben waren glücklicherweise reichlich von den vorher verwendeten 16Ah-Zellen vorhanden.(Ganz wichtig: Die Muttern werden ohne Wellscheibe locker und dann brotzelts!) Man kann die Polverbinder auch aus 3*20mm Flachkupfer selbstmachen, aber auch diese müssen vernickelt werden. Muttern kaufte ich aus VA damit sie nicht "ausblühen". Man bekommt sie beispielsweise bei Fa. Wegertseder. (Es sollten eigentlich "DIN 439, niedrige Form M10*1,25" sein, notfalls geht, wie man sieht, aber auch normale Höhe.) |
Weil genug Material vorhanden war, habe ich insgesamt vier Batteriepacks
gebastelt. Die elektrischen Verbindungen wurden mit Unterteilen von Kabelkanälen
(weiß) und U-förmig gebogenen Stücken aus grauen PVC-Schaumplatten
("guttagliss hobbycolor" aus dem Baumarkt) isoliert. (siehe
Nachdem auf diese Weise 72 Zellen zu vier Blöcken zusammengespannt waren konnte ich Ladeversuche anstellen und ausprobieren, wieviel "Saft" noch in meine erbeuteten Gebrauchtzellen hineinpasst. Die Ergebnisse der Serviceladungen habe ich auf einer Extra-Seite festgehalten.
Bild 5: Tragegriff |
Damit ich die jeweils 30kg schweren Akkus ohne (allzu große) Probleme
ein- und ausbauen kann, habe ich mir noch einen sehr nützlichen Tragegriff
gemacht: Zwei Stücke aus Rund-PVC (kein Metall! gibt Kurzschluß und Explosion!) sind so T-förmig abgedreht und abgesägt daß sie sich zwischen zwei der kurzen Polverbinder "C2" in der Batteriemitte stecken lassen. Dreht man sie dann an den durchgesteckten Metallknebeln
um 90° (wie links im Bild) hängen sie an 4 Zellen fest und man kann die ganze Batterie daran sicher hochheben.
Rechts sieht man ein Langloch im Holzgriff. Das ist leider nötig, weil die einzelnen Batteriepacks wegen der unterschiedlich dicken Zellen verschieden lang sind. Der Griff ist eine "Find-Konstruktion" aus zufällig vorhandenem Abfall. Besser wäre es wenn die Plastik-Teile länger und aus besserem Material wären. Der Holzgriff sollte in der Mitte eigentlich schmäler und dicker sein, damit man ihn besser greifen kann. Bekanntlich ist ja nichts langlebiger als ein Provisorium.... |
Eingebaut ins El sieht das dann so aus:
Bild 6: alle vier Batterien eingebaut (vorn & Mitte angeklemmt)
© Ulrich Reeg 2005